Adam Töpffer (2014)

Die Sonderausstellung des MIR findet vom
1. Oktober 2014 bis zum 1. Februar 2015 statt.

» … als Genf im Jahre 1814 der Schweizerischen Eidgenossenschaft beitrat, prangerte der Genfer Maler Adam Töpffer, der Vater Rodolphe Töpffers, in seinen Karikaturen mit beissender Ironie
die verantwortlichen Politiker der Genfer Restauration an…«

Interview mit Olivier Fatio (Französisch) im Museum vor einem Bild von W.-A. Töpffer 

Am 31. Dezember 1813 erklärt Genf, seit dem Anschluss an Frankreich 1798 Hauptort des französischen Departements Léman, seine Unab­­hängigkeit. Eine Reihe von Bürgern der alten Genfer Aristokratie, angeführt von Ami Lullin und Joseph Des Arts, halten den Moment für gekommen, die Republik wiederherzustellen.

Schnell zeigt sich, dass ein Beitritt Genfs zur Eidgenossenschaft die einzige zukunftsträchtige Lösung ist. Dazu sind allerdings zwei Bedingungen zu erfüllen: es muss eine territoriale Anbindung an die Schweiz hergestellt und eine neue Verfassung ausgearbeitet werden.

Die Gebietsverhandlungen werden Pictet de Rochement anvertraut, der diesen Auftrag bei den Kongressen von Paris und Wien erfüllt.

Die neue Verfassung wird im August 1814 gegen die Vorbehalte einiger aufgeklärter Köpfe wie Jean de Sismondi, Etienne Dumont und François Bellot diskussionslos verabschiedet. Sie ist das Werk von Syndic Joseph Des Arts. Der reaktionäre Text macht grössten­teils Schluss mit den nach 1789 erworbenen demokratischen Rechten. Der Generalrat der Bürger wird abgeschafft, die Macht in den Händen eines 25-köpfigen Staatsrats konzentriert und als Legislative ein repräsentierender Rat mit beschränkten Kompetenzen eingerichtet. Dieser wird zudem nach einem strengen Zensus gewählt – nur Bürger mit hohem Einkommen haben Wahlrecht.

Indessen greift der liberalen Kreisen nahestehende Maler Wolfgang-Adam Töpffer, Vater von Rodolphe Töpffer, zu Stift und Pinsel und nimmt die Mängel der neuen Verfassung aufs Korn. Er stellt sie als eines Tyrannen würdig dar und knöpft sich besonders den Artikel 8 vor, mit dessen Zahl er die Kleider von Syndic Joseph Des Arts versieht. Gemäss diesem Artikel waren gewisse Honoratioren von der Pflicht befreit, für das Wahlrecht über ein bestimmtes Einkommen zu verfügen – das betraf vor allem als regimefreundlich geltende Notabeln wie Professoren, Pfarrer oder Leiter von Gesundheits- oder Wohlfahrtseinrichtungen.

Töpffer beschränkt sich nicht auf die Politik: Er verspottet die Knausrig­keit der Mächtigen gegenüber der Kunst und zeigt sie als mehr an Landwirtschaftsgeräten als an der Unterstützung der Künstler interessiert; er prangert die Streitereien zwischen katholischem Klerus und protestantischen Pfarrern an; er karikiert die körperlichen Unzulänglichkeiten angesehener Mitglieder der Genfer Gesellschaft. Kurz, er beschreibt auf drollig-humorvolle Art die Comédie humaine der Genfer Restauration.