Hölle oder Paradies: die Ursprünge der Karikatur

16.10.2013 - 16.02.2014



Satire, die Schwächen und Fehler der Kirche auf die Schippe nimmt, gibt es seit Jahrhunderten: schon das Mittelalter mit seinem Sinn für das Monströse liefert dafür fantastische Beispiele, vor allem in der Buchmalerei.

Während diese Bilder den Betrachter meistens nur zum Schmunzeln oder zum Lachen bringen sollten, nahm das Satirische in der Zeit der Religionskriege, die im 16. und 17. Jahrhundert Europa mit Tod und Zerstörung überzogen, zunehmend kränkende, beleidigende und sogar vernichtende Züge an. Auf Drucken, Flugblättern, Medaillen und Objekten aller Art wurde oft unflätige, aggressive und sogar skatologische Satire verbreitet, welche die allenthalben ausbrechende Gewalt anheizte.

Die Ausstellung Hölle oder Paradies: die Ursprünge der Karikatur (16.-18. Jh.) lässt Sie Objekte aus Genf, der restlichen Schweiz und ganz Europa entdecken. Anhand der zum Teil erstmals öffentlich gezeigten Exponate werden Sie einen überraschenden Weg unter die Füsse nehmen – von der Hölle ins Paradies!


Nach einer Einführung zur Satire im Mittelalter können Sie sich in mehreren Räumen mit der Sprache vertraut machen, mit der die beiden Seiten, Katholiken und Protestanten, die jeweilige Überlegenheit ihrer Lehre zu beweisen versuchten. Der erste Teil stellt das Bild als Waffe und als Zielscheibe dar und thematisiert seine Verehrung und seine Vernichtung. Im zweiten Teil wird gezeigt, wie die protestantische Propaganda die Grundlagen des katholischen Glaubens in Frage stellt. Der dritte Teil befasst sich mit der modernen Vorstellung von Karikatur - die aufs Korn genommenen Personen werden individuell erkennbar.

Die Ausstellung schliesst mit den Aufrufen zur religiösen Versöhnung, die ab Ende des 17. Jahrhunderts laut wurden. Ganz im Sinne eines Museums, das Geschichte darstellen und attraktiv machen will, die ein Licht auf die Gegenwart werfen kann, wird die Ausstellung dazu beitragen, wesentliche Fragen zu verstehen - in einer Zeit, in der vergangen geglaubte Reflexe, religiöse und politische Konflikte erneut mit satirischen Darstellungen in Zusammenhang stehen.