Amerikanische Indianer

Die Indianer sind die grossen Verlierer der Entstehung der U.S.A. Binnen drei Jahrhunderten ist seit dem Eintreffen der Mayflower eine ganze Zivilisation praktisch verschwunden. Dabei gab es durchaus Bemühungen, die Identität der angestammten Bevölkerung zu erhalten. Diese entsprangen gleichzeitig einem missionarischen Auftrag und der Sorge um die Achtung einer fremden Kultur. Beispiele dafür sind eine in die Algonquin-Sprache übersetzte Bibel oder die grosse Klangmuschel, mit der die Delaware-Indianer zum Gebet gerufen wurden.

Algonquinische Bibel (23)

Dieses Werk ist in zweifacher Hinsicht interessant: Es ist die erste in Nordamerika überhaupt gedruckte Bibel (1663), und es enthält eine Übersetzung in der Sprache der Massachusetts-Indianer. Ihr Verfasser John Eliot hielt es für sinnvoller, den Algonquin die Texte in ihrer eigenen Sprache zu vermitteln, als ihnen Englisch beizubringen. Allerdings war dazu eine nicht unbeträchtliche Zahl von Zeichen erforderlich: Alleine das Wort «Begehren» lautet auf  Algonquinisch Nummatchekodtantamoonganunnonash. Die erste Auflage wurde in 1000 Exemplaren gedruckt.

Blatt der John Eliot Bible (Algonquin), 1663,
Leihgabe der Presbyterian Historical Society, Philadelphia..

Folgen der Kolonisation für die Indianer (24)

Zu Beginn der europäischen Besiedlung im frühen 17. Jahrhundert lebten in Nordamerika schätzungsweise neun Millionen Indianer. Zwei Jahrhunderte später waren es nur noch 250’000. Die hautpsächlichsten Todesursachen waren die aus Europa eingeschleppten Krankheiten, gegen welche die Indianer nicht immun waren, und die Hungersnöte, eine Folge der Ausrottung der Büffel, ihrer wichtigsten Nahrungslieferanten. Dieser Kupferstich stellt Witwen in Florida dar, die ihren König um Hilfe anflehen.

Religiöse Zeremonien und Bräuche aller Völker der Welt,
J. F. Bernard und B. Picart, Band I, 1735, MIR, Inv.-Nr. 2008-007

Muschelhorn für den Ruf zum Gebet (25)

Diese als Musikinstrument verwendete große Muschel wurde von David Brainerd (1718-1747) in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verwendet, um die Delaware-Indianer zum Gebet zu rufen. Nach wiederholten mystischen Krisen widmete sich dieser junge Missionar ganz der Evangelisation der Indianer. Er wurde zu einer zentralen Figur der ersten Erweckungsbewegung, als der berühmte puritanische Theologe Jonathan Edwards das Tagebuch dieses innerlich zerrissenen Mannes veröffentlichte, der im Alter von 29 Jahren vorzeitig starb.
Conch (Muschelhorn), Leihgabe der Presbyterian Historical Society, Philadelphia.