Karikatur

Redefreiheit ist in den Vereinigten Staaten ein ganz zentraler Wert, und sie drückt sich im Laufe der Geschichte in einem bunten Strauss satirischer Publikationen aus, in denen auch die Repräsentanten der Religion mit Witz und Schärfe aufs Korn genommen werden. So verspottet der englische Maler William Hogarth einen Erweckungsprediger, oder katholische Prälaten werden als Krokodile dargestellt. Die Kunst der Zeichnung wird aber auch für Präventionsprojekte eingesetzt.

Antikatholische Karikatur (28)

In Krokodile verwandelte Bischöfe kriechen aus dem Wasser, um Kinder zu fressen – das Bild steht für die Urangst der amerikanischen Protestanten vor der römisch-katholischen Kirche. Es ist ein Beitrag des Zeichners Thomas Nast zur Debatte über den Wunsch der amerikanischen Katholiken, Privatschulen zu eröffnen. Protestanten führen den Aufstand gegen dieses Ansinnen an, das eine allen zugängliche öffentliche Schule schwächen und deren Auftrag, das amerikanische Gen der Freiheit und der Demokratie weiterzugeben, gefährden könnte.
Thomas Nast, The American River Ganges, 1871, Zeitungskarikatur, Leihgabe des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Inv. ZB 7527-19,1875,958.

Leichtgläubigigkeit, Aberglaube und Fanatismus (29)

Dieser englische Kupferstich des berühmten Malers William Hoghart aus dem Jahre 1762 ist eine Kritik an der Exaltiertheit der Methodisten. Hoghart, ein Künstler der Aufklärung, zeichnet den bekanntesten Pfarrer dieser Erweckungsbewegung, den Anglo-Amerikaner Georges Whitefield, hoch auf einer Kanzel gestikulierend, bekleidet mit einer Harlekin-Weste, mit den Worten «ich spreche wie ein Irrer». Der Rest der Darstellung ist im gleichen Geiste gehalten. Die nüchternste Figur in der Szene ist ein Türke, der dem Himmel dafür dankt, dass er mit Vernunft begabt ist.


William Hoghart, Credulity, Superstition and Fanaticism, 1762, Kupferstich, Leihgabe des Teylers Museum, Haarlem (NL), Inv. KG 15057

Ethyl ist keine Lady (30)

Das 1959 erschienene 16-seitige Bändchen stellt den Alkohol als Frau dar: Ethyl (eine leichte Verballhornung des weiblichen Vornamens Ethel) sei keine «Lady». Das Pamphlet endet mit einer christlichen Rechtfertigung der Mässigung. Seit seiner Entstehung betrachtet Amerika den Alkohol mit grossem Misstrauen, ob man religiös ist oder nicht. Die vielen Versuche, den Alkoholkonsum zu bekämpfen, gipfelten in den zwanziger Jahren in der Prohibition, mit der das Alkoholverbot in der Verfassung verankert wurde. Es galt von 1920 bis 1933.
“Ethyl is not a Lady”, Broschüre, 1959, Leihgabe der Presbyterian Historical Society of Philadelphia.