Bibel

Die Bibel ist im Alltag der U.S.A. ganz besonders präsent. Mehr als die Hälfte der Amerikaner liest mindestens einmal pro Jahr darin (s. die Umfrage in Nische XXII). Die amerikanische Publikationsgeschichte hat einige originelle Bibelausgaben aufzuweisen, so die «liberale» Bibel von Präsident Jefferson, die Frauenbibel oder eine Missionsbibel für Korea. Die Mormonen stützen ihren Glauben auf eine weitere Schrift, das Buch Mormon, das auf einer späteren Offenbarung Christi beruht.

Koreanische Bibel (37)

Dieses ins Koreanische übersetzte Lukas-Evangelium steht stellvertretend für die missionarische Rolle, welche die U.S.A. in weiten Teilen der Welt angenommen haben. Schon Ende des 19. Jahrhunderts sorgten amerikanische Missionare mit ihrem Bekehrungsauftrag dafür, dass das Christentum in Korea Fuss fasste, wo man jenseits der eher gefürchteten Nachbarn China und Japan neue Verbündete suchte. Die Vielgestaltigkeit des amerikanischen Protestantismus begünstigt dessen Entfaltung in einer Gesellschaft, die sowohl egalitär als auch traditionsbewusst ist.


Koreanische Bibel (Auszüge), 1883,
Leihgabe der American Bible Society, Philadelphia.

Jefferson-Bibel (38)

Thomas Jefferson (1743-1826) war der dritte und einer der Präsidenten der Vereinigten Staaten, die das Land entscheidend geprägt haben, ein hoch gebildeter Mann. Er verfasste den Ersten Zusatz zur US-Verfassung, den Artikel über die Religionsfreiheit. Als liberaler Denker lehnte er das Übernatürliche in der biblischen Offenbarung ab. Das beweist sein berühmtes Neues Testament mit Auszügen aus den Evangelien, aus denen er die Wunder Jesu und seine Wiederauferstehung mit dem Rasiermesser herausschnitt. 
Jefferson Bible, 1820, Smithsonian National Museum of American History, Faksimile-Ausgabe.

Die Woman’s Bible (39)

Die Frauenbibel ist ein Kommentar zu allen frauenfeindlichen Bibelstellen, herausgegeben 1895 von einer Gruppe gelehrter Frauen unter der Leitung von Elisabeth Cady Stanton (1815-1902). Für die New Yorker Feministin ist die Bibel ein Werk von menschlicher Hand, das dort zu hinterfragen ist, wo es die Unterdrückung der Frau rechtfertigt. Diese Textstellen seien historische Konstruktionen, die von den Kirchen benutzt würden, um die Ungleichheit der Geschlechter fortzuschreiben. Eine Arbeit, die sehr lange auf eine ablehnende Rezeption stiess. 


Elizabeth Cady Stanton, Women’s Bible,
Rubenstein Library-Duke University, Faksimile.

Buch von Mormon (40)

1823 behauptet der Amerikaner John Smith, ein Engel habe ihm die Geschichte des Propheten Mormon offenbart, der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebte. Damals soll Jesus den Nachkommen der Hebräer erschienen sein, die um 600 v. Chr. nach Amerika auswanderten, und ihnen gesagt haben, dass sie die authentische Kirche verkörperten, die Kirche Jesu Christi, der Heiligen und der letzten Tage. Heute hat die Kirche 16 Millionen Anhänger, davon sechs Millionen in den Vereinigten Staaten. Sie sind von dieser Geschichte inspiriert, die hier in einer alten französischen Ausgabe präsentiert wird.
Buch von Mormon, 1907 (erste französische Ausgabe 1853). Eine Leihgabe der kirchengeschichtlichen Bibliothek, Salt Lake City.