Öffentlicher Raum

Das erste Amendment (Zusatzartikel) der US-amerikanischen Verfassung begünstigt die religiöse Glaubensäusserung im öffentlichen Raum. Auch ein Glaubensbekenntnis auf einem Dollarschein ist da unproblematisch. Und das Sternenbanner ist ein heiliges Symbol, das Gegenstand.

In God we trust (54)

Das Bekenntnis «Auf Gott vertrauen wir» steht erst seit 1955 auf den amerikanischen Dollarscheinen. Davor hieß es «E pluribus unum»  (Aus vielen eines machen). Die Neuerung kam auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, als es darum ging, die amerikanische Religion dem sowjetischen Atheismus entgegenzusetzen. Sie war auch das Ergebnis einer Kampagne von Unternehmerkreisen und der religiösen Rechten unter Führung von Billy Graham gegen die ideologischen Auswirkungen einer sehr aktiven Sozialpolitik der US-Regierungen.

Religionsfreiheit (55)

Der 1791 verabschiedete Erste Zusatz zur US-Verfassung verbietet es dem Kongress, Gesetze zu erlassen, die die Ausübung der Religion behindern. In den USA sind religiöse Äusserungen in der Öffentlichkeit erlaubt, wohingegen andere Länder die Ausübung des Glaubens eher auf den privaten Raum beschränken. In Amerika reden die Menschen problemlos öffentlich über ihren Glauben, seien sie Christen, Juden oder Angehörige einer anderen Religion. Das Einzige, was missfällt, ist der Atheismus. Auf jedem Geldschein ab dem Wert von einem Dollar steht “Auf Gott vertrauen wir”.


Handschriftliche Fassung des Ersten Zusatzes zur US-Verfassung, 1789,
The U.S. National Archives, Faksimile.

Flagge (56)

Das Sternenbanner ist in den Vereinigten Staaten Gegenstand einer fast schon religiösen Verehrung. Seine Benutzung ist streng reglementiert. Die 13 roten und weissen Querstreifen symbolisieren die Gründungsstaaten der Union, die 50 Sterne in der Ecke oben links die heutigen Bundesstaaten. Sechzehn Mal im Jahr muss die Flagge auf öffentlichen Gebäuden gehisst werden. Das Treuegelöbnis (pledge of allegiance) auf die Fahne betont, dass diese für eine unteilbare Nation unter Gott steht.