Hexen

Der Protestantismus gilt als Gegenentwurf zum Aberglauben, doch noch lange bezeugte er die Existenz von Teufeln und Hexen. Der Glaube an das Unsichtbare gewinnt umso mehr an Gewicht, als eine Gemeinschaft mit wirtschaftlichen, politischen und sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Das war der Fall im 17. Jahrhundert in Neuengland unweit von Boston, wo die berühmt-berüchtigten Ereignisse um die Hexen von Salem ihren Lauf nahmen.

Saducismus triumphatus (12)

Dieses Werk bescheinigt die Existenz und Macht der Hexerei. Das Machwerk des englischen Philosophen Joseph Glanvill (1636-1680), übte grossen Einfluss auf  Pastor Cotton Mather aus und prägte die Wahrnehmung der Ereignisse um die Hexen von Salem, die 1692 in der Hinrichtung von 20 Menschen gipfelten. Der Titel kann mit «Der Triumph über die Sadduzäer» übersetzt werden. Die Sadduzäer waren eine Glaubensrichtung im Judentum zur Zeit Jesu. Sie leugneten die Unsterblichkeit der Seele und verkörperten für Glanvill die Geisteshaltung der Skepsis.
Josef Glanvill, Saducismus Triumphatus, or Full and Plain Evidence Concerning Witches and Apparitions, 1681, Congregational Library, Boston. Faksimile.

Wunder der unsichtbaren Welt (13)

Das 1693 von Pfarrer Cotton Mather verfasste Werk vertritt die These, die ersten puritanischen Gemeinden in Neuengland würden vom Teufel belagert. 1692 wurden 20 Menschen wegen des Verdachts, sich mit Satan eingelassen zu haben, hingerichtet – ein Kapitel der berühmt-berüchtigten Hexenprozesse von Salem. Diese waren Ausdruck einer kollektiven Hysterie, ausgelöst durch junge Frauen unter dem Einfluss spiritistischer Seancen. Die Arbeit von Cotton Mather ist Teil dieser Verblendung, die durch die prekäre Situation der Siedler noch versärkt wird.


Wonders of the invisible world, 1693, Leihgabe der Congregational Library, Boston.