Abolitionismus

Die Kämpfe um die Abschaffung der Sklaverei gehören zur amerikanischen Identität. Während einerseits versucht wurde, die Sklaverei mit der Bibel zu rechtfertigen (s. Nische XII), schöpften andererseits viele Gegnerinnen und Gegner der Sklaverei ihre Ideale aus dem protestantischen Glauben; so Harriet Beecher Stowe, die Verfasserin des Bestsellers Onkel Tom’s Hütte; oder John Sewall, Verfasser des ersten Flugblattes gegen die Sklaverei in den U.S.A., The Selling of Joseph. Eine abolitionistische Teekanne, die Gedichte der ersten schwarzen amerikanischen Schriftstellerin Phyllis Wheatley und ein Foto der Fisk Jubilee Singers, des ersten amerikanischen Gospelchors mit künstlerischen Anspruch,  sind weitere Zeugnisse dieser Bewegung hin zu einer Anerkennung der Würde der Afroamerikaner.

Schriftstellerin und Abolitionistine (17)

Harriet Beecher-Stowe (1811-1896) entstammte einer zutiefst protestantischen Familie. Ihr Vater und sieben Brüder waren Pastoren, zwei Schwestern kämpften später für die Rechte der Frau auf Bildung und politische Teilhabe. Als Schriftstellerin setzte sie sich für die Abschaffung Sklaverei ein, auf der Seite der Abolitionisten. Mit Onkel Toms Hütte nahm sie dabei entscheidenden Einfluss auf die öffentliche Meinung, Zu Beginn ihrer Karriere veröffentlichte sie The Mayflower (1843), eine Reihe von Porträts amerikanischer Pioniere.

Porträt von Harriet Beecher Stowe, 1855,
Library Company of Philadelphia. Faksimile.

Erstes abolitionistisches Flugblatt (18)

Im Jahr 1700 publiziert der Kaufmann Samuel Sewall (1652-1730) das erste abolitionistische Flugblatt der amerikanischen Geschichte. Er nimmt dabei Bezug auf die biblische Geschichte von Josef, der von seinen Brüdern verkauft wird und argumentiert, einen Menschen der Sklaverei zu unterwerfen sei eine Verletzung der Freiheit, die als Wert so wichtig sei wie das Leben. Anekdotisch interessant ist, dass Samuel Sewall sieben Jahre früher einer der entscheidenden Richter im Hexenprozess von Salem war. Er war der einzige, der später Bedauern über seine Rolle in dem Verfahren äusserte.

The Selling of Joseph, 1700,
Massachusetts Historical Society, Boston. Faksimile.

Abolitionisten-Teekanne (19)

Diese feingliedrige Teekanne von 1830 wurde wahrscheinlich von einem Quäker und seinem freigelassenen Sklaven nach einer Vortragsreise gegen den Sklavenhandel von England in die U.S.A. gebracht. Sie zeigt einen schwarzen Mann auf Knien, flehend, mit gefesselten Händen. Dieses verbreitete Motiv war das Emblem der im 18. Jahrhundert gegründeten englischen Gesellschaft für die Abschaffung des Sklavenhandels (English Society for the Abolition of Slave Trade). Aus dieser Teekanne wurde nur ungesüßter Tee getrunken, da der Rohstoff Zucker symbolisch für die Ausbeutung der schwarzen Sklaven stand. 

Teekanne der Abolitionisten, 1830-1840,
Leihgabe des Historic New England Museum.
Geschenk von Alice und Emil Ahlborn, 1961.168A.

Onkel Toms Hütte (20)

Im 19. Jahrhundert war Onkel Toms Hütte in den U.S.A. das am zweithäufigsten verkaufte Buch. Harriet Beecher Stowe veröffentlichte es 1852 als Beitrag gegen ein Gesetz über die Festnahme entlaufener Sklaven. Es erzählt die Geschichte eines freundlichen schwarzen Sklaven und preist die Tugenden christlicher Nächstenliebe. Sein Erfolg war mit ein Auslöser des amerikanischen Bürgerkriegs. Als Abraham Lincoln die Autorin traf,  soll er angeblich gesagt haben: “Diese kleine Dame ist also für diesen großen Krieg verantwortlich”.
Uncle Tom’s Cabin, 1. Auflage, Boston 1852, Leihgabe des Philadelphia Athenaeum.

Sklavin und Dichterin (21)

1773 wurden in Boston 39 Gedichte einer afroamerikanischen Frau veröffentlicht. Im Alter von acht Jahren war Phyllis Wheatley als Sklavin von Afrika nach Amerika gebracht worden, und es kostete sie grossen Aufwand zu beweisen, dass die Texte aus ihrer Feder stammten. Sie musste sich vor einer Jury aus 18 Persönlichkeiten, darunter der Gouverneur von Boston, verteidigen. Das Gedicht, mit dem sie bekannt wurde, ist eine Eloge auf den Ruhm des berühmten Reverend George Whitefield. Voltaire sagte über sie, ihr seien «sehr hübsche englische Gedichte» gelungen.
Phyllis Wheatley, Poems on Various Subjects, Religious and Moral, 1773, Massachusetts Historical Society, Boston. Faksimile.

Die Fisk Jubilee Singers (22)

1871 geriet die Fisk-Universität in Nashville in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Die nach nach dem Bürgerkrieg geschaffene Einrichtung für die Bildung von Afroamerikanern gründete daraufhin fix einen A-cappella-Chor aus fünf Frauen und vier Männern, der in den ganzen USA auf Tournee ging, um Gelder einzubringen. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Der Chor sang Negro Spirituals, die damit ausserhalb von Kirchen zu hören waren und zu einer sehr populären Musikgattung wurden.
Foto der Fisk Jubilee Singers, Fiak University Library, Nashville, Faksimile.