>

Besichtigen sie das MIR in völliger sicherheit dank des eingeführten Schutzplans (auf Französisch).

WILLKOMMEN !

Schutzplan

21. Jahrhundert: Religion im amerikanischen Kino

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eines der religiösesten Länder der Welt. Die ersten Siedler wanderten zu einem Grossteil dorthin aus, um ihren Glauben frei ausüben zu können. Darunter waren viele Anhänger der Reformation, dieser neuen Religion, die die Herrschenden in Europa störte, und die sich in Amerika dank ihrer hierarchiefreien Organisation in die unterschiedlichsten Richtungen entwickeln konnte.

Die amerikanische Identität ist deshalb mit dem Protestantismus eng verbunden, und das schlägt sich gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben nieder. So finden sich auch im amerikanischen Kino zahllose Verweise und Andeutungen auf Religion und Glauben. Im Rahmen der Ausstellung «Calvin in Amerika» ist eine Komposition aus acht Filmausschnitten zu sehen (Produktion Tipimages). Sie geben Einblick in einige wichtige Facetten gerade der protestantischen Religion in der Vorstellungswelt, Geschichte und Gegenwart Amerikas.

Eingeführt wird die Szenenfolge auf dem Bildschirm von der Schweizer Schauspielerin Isabelle Caillat, hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung und Erläuterung in der Reihenfolge der einzelnen Ausschnitte.

 

 

Little big Man – Arthur Penn (1970)

Der Cheyenne-Häuptling “Old Lodge Skins”, der den Weissen Jack Crabb als Kind aufgenommen hatte, fühlt den Tod nahen und spricht ein letztes indianisches Gebet, bevor er sich hinlegt, um in Frieden zu sterben. Es ist eine der letzten Szenen eines Films, mit dem der Kultur der amerikanischen Indianer, die im Western meist nur als Karikatur vorkamen, ihre Würde zurückgegeben wurde. Mitten im Vietnamkrieg kritisiert Regisseur Arthur Penn den zerstörerischen Imperialismus der Vereinigten Staaten, im eigenen Land und ausserhalb.

 

Witness – Peter Weir (1985)

Zu Fuss und in Pferdekutschen kommen die Mitglieder der Amischen Gemeinde vom Land zu einer Trauerfeier zusammen. Regisseur Peter Weir dreht einen Krimi in dieser eigentümlichen protestantischen Gemeinschaft, die im 20. Jahrhundert so lebt wie einst im 17. Die Begegnung zwischen einem verfolgten Polizisten, der hier Zuflucht findet, und den Amischen zeigt, dass das Zusammenleben radikal verschiedener Menschen im Namen der Religionsfreiheit möglich ist.

 

Die Zehn Gebote Cecil B. DeMille (1923)

Als Moses vom Sinai herabsteigt, wo ihm Gott die zehn Gebote diktiert hat, überrascht er die Hebräer dabei, wie sie das Goldene Kalb anbeten. Er zerbricht die Gesetzestafeln und zerstört das Goldene Kalb. In seiner ersten Version des legendären Monumentalfilms von 1923 lässt Cecil B DeMille dieser Szene die Geschichte einer Frau folgen, die von zwei Männern umworben wird; einem, der die Zehn Gebote einhält, und einem, der sich nicht um sie schert. In einem Land, das von Calvinisten mitgegründet wurde, hat das biblische Gesetz eine besonders grosse Bedeutung.

 

O’Brother – Joel et Ethan Coen (2000)

Nach ihrer Flucht aus dem Zuchthaus im Mississippi der dreissiger Jahre sind drei Sträflinge auf der Suche nach der Beute aus einem früheren Raubzug. Auf ihrer Odyssee treffen sie auf eine Baptistengemeinde, die ihre Mitglieder durch Untertauchen im Fluss tauft.  Der Baptismus, zu dessen zentralen Riten die Erwachsenentaufe gehört, ist die grösste protestantische Kirche in den U.S.A. Wahrscheinlich ist dabei die Idee nicht ganz unbeteiligt, dass man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem neuen Leben geboren werden kann.

 

There will be blood – Paul Thomas Anderson (2007)

Bei einem Gottesdienst unweit der Ölfelder praktiziert der charismatische Prediger einer Erweckungsgemeinde einen Exorzismus an einer älteren Frau, um deren Arthrose zu heilen. Heilungsgottesdienste sind in den U.S.A. weit verbreitet. Viele christliche Gemeinden berufen sich dabei auf das Urchristentum, in dem Heilungen und Exorzismen (Austreibung von Dämonen) in der Tradition Jesu und seiner ersten Jünger eine grosse Rolle spielen. Eine wörtliche Lesart der Bibel stützt diese Praxis.

 

Früchte des ZornsJohn Ford (1940)

Als die Angehörigen sich anschicken, den auf dem Weg ins kalifornische Exil verstorbenen Grossvater beizusetzen, lässt sich Ex-Pfarrer Jim Casy dazu bewegen, am Grab einige Worte zu sprechen. Der nach dem Bestseller von John Steinbeck gedrehte Film thematisiert die Folgen der Wirtschaftskrise für die Farmer des mittleren Westens. Das Elend empört auch Kirchenleute, die an ihrem Glauben verzweifeln und sich stattdessen für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Der Filmausschnitt setzt diesen Konflikt ausdrucksvoll in Szene.

 

Klondike Annie Raoul Walsh (1936)

Nach einem Mord flüchtet die Kabarettsängerin Annie nach Alaska, wo sie von einer christlichen Gemeinde aufgenommen wird und in ihren Liedern Güte und Abstinenz predigt, unter Applaus wie früher in der Music Hall. Alkoholsucht richtet bis heute in den U.S.A. Verheerungen an. Die Krankheit durchzieht die Geschichte des Landes, mit allem was sie an sozialem Elend und Kampf gegen den Alkohol mit sich bringt. Oft sind es die Frauen und die Kirchen, die diesen Kampf führen. Als Titelheldin in diesem Film trägt Mae West ihren glitzernden Teil dazu bei.

 

ArrivalDenis Villeneuve (2016)

Als es misslingt, die rätselhaften Botschaften der Ausserirdischen zu entziffern, entledigt sich die Sprachwissenschaftlerin Louise Banks auf eigene Gefahr ihres Schutzanzugs und versucht direkten Kontakt mit den mysteriösen Wesen aufzunehmen. Science Fiction und Filme über Ausserirdische feiern in den Vereinigten Staaten immer grosse Erfolge. Das lässt sich auch durch die tief verwurzelte Kultur eines Landes erklären, das von einer Religion geprägt wurde, in der ein himmlischer Gott auf der Erde selbst Mensch wurde, zum Wohle der Menschheit.

 

Die Räume