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Lutherbibel

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Diese 1550 in Wittenberg gedruckte Lutherbibel (die Erstausgabe erschien 1534) hat heute ihren Platz im MIR gefunden. Das grossformatige Buch ist in einen prächtigen historischen Einband mit geprägten Motiven gefasst.

Das Frontispiz der Lutherbibel stellt Szenen aus dem Alten und Neuen Testament einander gegenüber. Diese Form der Antithese war in der Reformationspropaganda sehr verbreitet. Der Gegensatz zwischen dem Gesetz und dem Evangelium bzw. zwischen Altem und Neuem Testament ist eine der schlagkräftigsten Darstellungen der Lehre aus der Schule des Künstlers Lucas Cranach d. Ä.

Der Bildraum wird in der Mitte durch einen Baum geteilt, links ist das Gesetz nach dem Alten Testament dargestellt. Man sieht Adam und Eva die Frucht vom Baum des Lebens essen, nachdem sie von der Schlange versucht wurden. Darunter das Ergebnis dieser Erbsünde: Der Mensch wird Opfer von Tod und Teufel im Kardinalshut, verfolgt bis an den Schlund der Hölle, in deren Feuer ein Mönch und ein Papst mit seiner Tiara schmoren. Die Darstellung zeigt den Menschen unter dem Gesetz, an das Moses mit den Gesetzestafeln erinnert, zusammen mit anderen Propheten des Alten Testamentes, hinter ihm. Ganz oben links sitzt Christus in einer Wolke als Herrscher der Welt, darunter die Szene mit der ehernen Schlange als Symbol für den Christus am Kreuz. Die düstere Botschaft des Alten Testaments und des Gesetzes, das für den Menschen nur Verdammnis vorsieht, wird durch die Äste des Baumes in der Mitte noch betont, die auf der Seite des Alten Testaments nackt und abgestorben sind.

Anders als das Gesetz mit seiner Härte ist das Evangelium Quelle der Hoffnung, wie schon die blühenden Äste auf der rechten Seite des Baumes, des Neuen Testaments, zeigen. Oben rechts empfängt Maria die Strahlen der göttlichen Gnade, sie signalisieren die Fleischwerdung, ihrerseits symbolisiert durch den Engel, der das Kreuz in Marias Richtung trägt. Im Hintergrund überbringt ein Engel die Nachricht von der Geburt des Erlösers den Hirten auf den Hügeln von Bethlehem. In der Mitte besiegt der auferstandene Christus Tod und Teufel; im Gegensatz zu Adam und Eva, die der Schlange unterliegen, besiegt er das teuflische Tier. Ganz unten die Kreuzigung: Christus am Kreuz vergießt sein erlösendes Blut wie einen Strom über die Menschen. Johannes der Täufer weist den Menschen mit ausgestrecktem Finger auf den Opfertod Christi hin. Unter dem Kreuz steht das Osterlamm, Symbol für den siegreichen Tod Christi.

Dieses Schema wurde mit geringfügigen Abweichungen im Szenenaufbau, manchmal auch mit polemischen Ergänzungen (hier: katholische Kirchenleute in der Hölle, ein Teufel mit Kardinalshut) zu einem der beliebtesten Themen der Reformation, besonders für die Illustration der Titelseiten.


Lutherbibel

Lutherbibel, gedruckt 1550 in Wittenberg. Das grossformatige Werk ist in einen prachtvollen Einband gefasst.


Lutherbibel, Wittenberg, 1550

© Internationales Museum der Reformation (MIR), Genf

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